Herzlich Willkommen

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Herzlich Willkommen in der Gaststätte „Zum Bauernhaus“.

Bei einem Besuch unserer Gaststätte befinden Sie sich auf der ausgedehnten ehemaligen Hofstelle von einem der sechs großen Bauernhöfe, die jahrhundertelang das Erscheinungsbild des Dorfes Biestow rund um die Kirche, den Dorfteich und das Pfarrgehöft prägten.
Hier wird seit mindestens 250 Jahren Gastronomie betrieben – als Raststätte an der früher hier vorbeiführenden Frachtstraße, als Dorfkrug der Biestower und für die umliegenden Bauern und als beliebtes Ausflugslokal für die benachbarte städtische Bevölkerung (eine ausführliche Chronik finden Sie weiter unten auf dieser Seite).
Zu allen Zeiten war das „Bauernhaus“ ein Ort für gesellige Feiern aus freudigen und auch traurigen Anlässen, für den Plausch nach Feierabend und für die Erholung nach ausgedehnten Wanderungen oder Radtouren.
Auch als Versammlungsort für Vereine und Interessengruppen, zur Pflege von Hobbys und für kulturelle Veranstaltungen erfreut sich das „Bauernhaus“ großer Beliebtheit.
Hier erwartet Sie: ein gepflegtes Getränkeangebot, leckeres Essen aus der Bauernhausküche, unser legendärer selbst gebackener Kuchen und ein unkomplizierter und freundlicher Umgang mit Ihnen als Gast.

Das „Bauernhaus“ ist wie folgt für Sie geöffnet:

Montag Ruhetag  
Dienstag bis Sonnabend ab 14.00 Uhr Küchenschluss 22.00 Uhr
Sonn- und Feiertage ab 10.00 Uhr Küchenschluss 19.00 Uhr

Unser Team wünscht Ihnen im traditionsreichen „Bauernhaus“ einen angenehmen Aufenthalt.
Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Wünsche haben, zögern Sie nicht, unsere Mitarbeiterinnen anzusprechen.

Chronik der Gaststätte „Zum Bauernhaus“

(zusammengestellt von der Geschichtswerkstatt des Vereins Leben in Biestow e.V.)

Während des Dreißigjährigen Krieges, am 22. Juni 1631, war das Dorf Biestow durch die in Rostock liegenden Wallensteinschen Truppen fast völlig zerstört worden. Im darauffolgenden Jahr wurde das alte, ursprüngliche „Bauernhaus“ auf dem Grundstück der heutigen Gaststätte als Fachwerkhaus neu errichtet und diente als Bauernhof. Lange Zeit wurde die Bauernstelle von einer Familie Beese bewirtschaftet.

Hofstelle 1751
Der Beesesche Bauernhof im Jahre 1751 mit Wohnhaus in der Mitte und vier Wirtschaftsgebäuden drum herum. Daneben liegt der Krempiensche Hof, im Süden steht die Dorfkirche und im Osten führt die alte „Commerzialstraße“ von Rostock nach Warin am Hof vorbei.
(Historische Flurkarte der Kirchengemeinde Biestow mit Ergänzungen)

Spätestens ab dem Jahr 1762 ist auch die gastronomische Nutzung der Bauernstelle aktenkundig. In diesem Jahr muss sich der Schulze und Krüger Hans Beese vor dem herzoglichen Konsistorium zu Rostock verantworten. Laut Anklage soll er „am 13. Sonntage nach Trinitatis daselbst in seinem Hause, dem Kruge, einen Bollen verspielet, wobey er Spiel gehabt, getan­tzet und Brannt gesoffen worden“.
Um den schwerwiegenden Vorwurf der Entheiligung des Sonntags zu entkräften, gibt Beese eine abenteuerliche Geschichte zu Protokoll: Als Schulze sei er verpflichtet, für die Dorfschaft einen Bullen zu halten, diesen hätte er auch besorgt, „derselbe aber wäre von den Biestower Ochsen alsbald zu Schanden gestoßen“ worden. Um seinen Schaden wettzumachen, habe er das Tier geschlachtet, zerlegt und in den benachbarten Dörfern die Verlosung des Fleisches angekündigt. Leider sei der Plan auch in Rostock bekannt geworden, so dass sich am 5. September eine große Zahl Interessenten eingefunden hätte. Darunter sei auch ein Wachtmeister der herzoglichen Garde gewesen, zusammen mit „zween Reütern“, die nach Musik und Tanz verlangt hätten. Er habe noch versucht, dieses zu unterbinden, die Leute aber hätten einfach losgelegt.

Erntefest Im Krug
Drei Spielleute mit Bassgeige, Fiedel und Klarinette reichten aus, um Schwung auf den Tanzboden zu bringen. Abbildung „Bilder aus Mecklenburg: Erntefest im Krug. Originalzeichnung von L. Braun“ in: „Illustrirte Zeitung“, Leipzig, 19.09.1868

Beim Domanialamt Schwaan hatte man zwar in Erfahrung gebracht, dass außer dem Branntwein auch noch „eine Tonne Bier ausgetrunken worden“ sei (das entsprach der damals zulässigen Menge für eine Hochzeitsfeier), er habe sich aber „besonders auch dadurch Unfreude gemacht, daß er keinen genugsahmen Vorrath von Bier als Krüger zurhandt gehabt“ hätte. Geendet habe die Veranstaltung schließlich, als die Leute „mit Mißvergnügen, wegen des Bier-Mangels, davon gegangen“ seien.
Da Beeses übernächster Nachbar Peter Dassow (heute Am Dorfteich 14) an Eides statt bestätigen kann, „daß vorstehende des Schul­tzen Beesen deposition in allem mit der Warheit einstimment wäre“, und wegen des Kompetenzgerangels zwischen der domanialen Amtsverwaltung und dem Konsistorium, wird die Anklage schließlich vom Herzog persönlich niedergeschlagen: „so soll, anderer Uhrsachen wegen, die fiscalische Anstellung wieder den Schultzen Bese diesesmahl sistiret seyn“.
(Landeshauptarchiv Schwerin, Bestand 2.25-1, Nr. 527)

Bauer Beese kam also mit einem blauen Auge davon.

Hofstelle_1778
Die Hofstelle des Schulzen und Krügers Hans Beese im Jahr 1778. Rechts oben ein neu errichtetes Backhaus, in der Mitte das alte Wohn- und Kruggebäude. Der Türbalken am Backhaus trug die Inschrift: „Durch Gottes Zorn brannt ein altes Backhaus nieder, durch Gottes Gnadenhand steht dieses wieder – Hinrich Beese – 1755“.
(Historische Karte aus den Beständen des Landeshauptarchivs Schwerin mit Ergänzungen)

Im Jahr 1789 lässt sein Sohn Hinrich Beese das alte Wohn- und Krughaus durch einen neuen zweistöckigen Landkrug als strohgedeckten Fachwerkbau mit angebautem Wirtschaftsteil ersetzen. Im Erdgeschoss befindet sich die Gaststube mit vorgesetzter Veranda und im Obergeschoss ein geräumiger Saal. Wie sich bald herausstellen wird, war der Krug von Anfang an auch als Ausflugslokal für die benachbarte städtische Bevölkerung geplant.

Landkrug 1789
Der im Jahr 1789 errichtete zweistöckige Beesesche Landkrug (Aufnahme von 1907)
Grundrisse
Grundrisse (aus dem Nachlass des Bauernhausforschers Dr. Karl Baumgarten).
Die Risse waren von dem Baubeamten und Bauernhausforscher Johann Friedrich Pries nach Akten der Domanial-Brandversicherungsanstalt angefertigt worden.

Denn bereits im Mai des darauffolgenden Jahres fühlt sich der herzensgute und sehr fromme Biestower Pastor Otto Ernst Christian Wiggers genötigt, einen Brandbrief an seinen obersten Dienstherrn, den Herzog, zu richten.
Er schreibt: „In dem abgewichenen Jahre ist dem hiesigen Schultz ein neues Haus erbaut, und in demselbigen solche Einrichtung gemacht worden, daß es zu vielem Verkehr und anzustellenden Lustbarkeiten aus der Nähe der Stadt Rostock Gelegenheit gibt. Eine Sache, die mich an und für sich nicht gar zu sehr beunruhiget hätte, wenn nur hieraus nichts nachtheiliges und un­schickliches für Religion und Gottesdienst, weil dies Haus nahe bey der Kirche und Schule liegt, zu besorgen wäre.
Würklich versprach mir dieses der Mann, da ich ihm die Reden vieler anvertrauete, daß sie den in seinem Hause angelegten Saal zu Lustbarkeiten, Tanzen und Spielen, und zwar am Sonntage, gebrauchen wollten.
Aber dieses Versprechen, so gut es auch war, ward gleich im Winter gebrochen, als das Haus nur einigermaßen fertig war. Denn es ward sofort mit lärmendem Geräusch, Spielen und Tanzen einge­weyht, und nachher noch andere Anordnung gemacht, die einen beständigen Fortgang gleicher Vorkommenheiten verrathen.“
Welcher Art diese „Anordnung“ war, hat der Pastor leider nicht mitgeteilt. Er zitiert dann ausführlich alle einschlägigen Verordnungen, z. B. „Zur Abstellung aller Ueppigkeiten“ und zur „Besseren Feyer der Sonn- und Festtage“ von 1782 und 1788, die den Plänen des Hinrich Beese eigentlich entgegenstehen.

Patent-Verordnung zur Abstellung aller Üppigkeiten
Aus der „Patent-Verordnung zur Abstellung aller Ueppigkeiten“ von 1769

Doch dann gerät des Pastors „Herz aufs neüe in Erstaunen und Traurigkeit, indem sich dieser Tage das allgemeine Gerücht verbreitet: daß oftbenannter Beese sich herausgenommen und entschlossen, Euer Herzoglichen Durchlauchten schriftlich anzutreten und zu bitten, daß ihm die Erlaubnis ertheilet werden möge, auch an Sonntägen Spiel und Musik in sein Haus zu nehmen – und also dadurch eine gantze Gemeine in der ruhigen Feyer ihres Gottesdienstes zu stöhren“ – zumal er mit seinen religiösen Amtsgeschäften von Samstagmittag bis zum späten Sonntagnachmittag beschäftigt sei.
Der Pastor ist überzeugt, dass „unter solchen Umständen alles in Tumult und Verwirrung gerathen würde, und einer jeden Religionshandlung ihre Würde beraubt werde – da selbst der Schultz noch das Amt würden im Stande seyn, der Zügellosigkeit der Rostocker aus der niedern Classe Schranken zu setzen, wenn einmahl der Damm äußerlicher Sittsamkeit weggerissen worden.“
Zum Beweis beschreibt er ausführlich die schlimmen Vorkommnisse während der Konfirmationsfeier am vergangenen Palm­­sonntag und beschließt seinen Brief mit dem Hinweis: „Überdem hat der Schultz an den Werkeltagen so vielen Verkehr und sein gutes Brodt, daß ihn blos die Gewinnsucht oder die Anreitzung irreligiöser Menschen, die gerne alle moralische Fesseln der Religion zerbrechen mögten, antreiben kann, sich am Sonntage auf Kosten der Religion und der ihr noch zugethanenen Mitchristen noch mehr zu bereichern.
Sollte aber denselben der Verlust dieses unrechtmäßigen Einkommens wider Verhoffen zu sehr schmerzen, und er hieran durch mich beeinträchtiget zu seyn glauben sollte, so bin ich gerne erböthig, ihm die Helfte seiner Pacht an das Schwaansche Amt für den angeblichen Krug, welche dem Verlaute nach aus 6 Reichsthalern jährlich bestehen soll, zu ersetzen – und will lieber dafür darben, als ein ruhiger Zuschauer der Ärgernisse zu seyn, die sich gantz zuverlässsig durch das Vorhaben des Schultzen über diese gantze Gemeine, ihre Kinder und Nachkommenschaft zu ihrem geistlichen und leiblichen Nach­theil – ja über meine gantze sonntägliche Amtsführung verbreiten würde.
Wie denn auch unläügbar ist und die Geschichte beweiset: daß, wenn die göttlichen Gesetze, zu welchen auch die Feyer des Sonntags gehöret, untergraben und unkräftig gemacht werden, alsdann auch die weltlichen zuletzt gekränkt, und nicht geachtet werden.“

„Wie denn auch unläügbar ist“ – Aus dem Brief von Pastor Wiggers vom 5. Mai 1790

Vom Herzog ergeht 3 Tage später die Anweisung an seine Beamten, darauf zu achten, „daß von dem Schulzen zu Biestow Unsern ergangenen Patent-Verordnungen keinesweges entgegen gelebet werde, vielmehr jede Contravention sofort nach Vorschrift der Gesetze zu bestrafen, und den Schulzen davor jetzt zum voraus obrigkeitlich zu warnen.“
(Landeshauptarchiv Schwerin, Bestand 2.21-1, Nr. 9641)

Der Bauer, Schulze, Kirchenvorsteher und Krüger Hinrich Beese ist im Jahr 1800 verstorben. Sein Grab, das er sich mit seiner Ehefrau Wendula Sophia teilt, ist mit der Grabplatte im Mittelgang der Biestower Kirche bis heute erhalten geblieben. Sein Nachfolger im Bauernhof, Amt und Krug wurde sein Sohn Jacob Hinrich Beese (1784 – 1855).

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts hat sich Biestow als Ausflugsziel für die benachbarte städtische Bevölkerung fest etabliert. Gustav Hempel schreibt in seinem im Jahr 1843 erschienenen „Handbuch des Meklenburger Landes“:
„Biestow, incamerirtes Dorf, zum Rostocker Distrikt gehörend, ist freundlich gebauet und hat eine Pfarrkiche, Schule, 8 Bauern, 3 Büdner (zwei davon gehören der Kirche), Krug und 197 Ew. – Von den Rostockern werden oft ländliche Excursionen nach Biestow gemacht.“

1843_Hempel
Passage aus Hempels „Handbuch des Meklenburger Landes“ von 1843

Sicherlich war zu dieser Zeit bereits das Biestower Gasthaus ein beliebter Ab­schlusspunkt der „ländlichen Excursionen“ und ein geeigneter Ort für Feste und Feiern aller Art. Berichtet wird auch von Rostocker Studenten, die ihre feuchtfröhlichen Auszüge aus der Stadt zuweilen in Biestow beendeten. Sogar der Großherzog persönlich soll anlässlich eines Biestower Pferdemarktes („groten Piermarkt“) ein Tänzchen auf den Dielenboden des „oll‘ Buerhuus“ gelegt haben:

Grossherzog_Pferdemarkt
Ein Zettel aus den berühmten Zettelkästen des Heimatforschers Richard Wossidlo

In Rostock fand traditionell während des 13-tägigen Pfingstmarktes am 2. Montag nach Pfingsten ein Vieh- und Pferdemarkt statt. Dass ein „inoffizieller“ Pferdemarkt („Vormarkt“) bereits am Sonnabend zuvor in Biestow rund um das „Bauernhaus“ veranstaltet wurde und dass in demselben auch Übernachtungsmöglichkeiten angeboten wurden, hat Wossidlo auf einem weiteren Zettel notiert: „Sünnabend vor 2. Pingst-Mandag sünd de Handlers na Biestow wast mit dreejöhrig Fahlen ut Hannover. Dee sünd dann de Nacht dorbläben in dat ol‘ Buerhuus un hebben dor vorher (vor Rostock) Geschäft makt. De Vormarkt is in Biestow wast. Naher sünd se na Rostock wiederrast.“

Pferdehandel auf dem Lande
Um 1840: Pferdehandel auf dem Lande. Die beiden Bauern und die junge Bäuerin tragen die typische Biestower Tracht. Im Hintergrund steht ein Torhaus, wie es auch auf der Südseite des Beeseschen Hofes vorhanden war. (Bildnachweis: Archiv Landgestüt Redefin)

Weitere Nachrichten aus dem 19. Jahrhundert sind dürftig.
In der Nacht vom 13. auf den 14. No­vember 1852 wird der Bauer und Krugbesitzer Beese Opfer eines dreisten Diebstahls. Ihm werden „sechs fette Gänse aus der Bucht im offenen Wagenschauer entwendet, neun Stück dagegen von den Dieben getödtet und in der Bucht zurückgelassen. Thäter unbekannt“.
Während vor kapp 170 Jahren die „Thäter“ nicht ermittelbar waren, konnte in jüngster Zeit der Diebstahl sämtlicher Laufenten und mehrerer Hühner aus dem „Bauernhaus“-Garten eindeutig geklärt werden – sogar mit Beweisfoto:

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„Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her“
Polizeiblatt „Der Wächter“ vom 27.11.1852 | Aufnahme Niekrenz

Den Großherzog kann Bauer Beese ein weiteres Mal am 29. November 1863 anlässlich der Wiedereinweihung der restaurierten Kirche in seiner Gaststätte begrüßen: „Bei dem Hauswirth Beese, wo auch der Krug ist, wurden die Kirchenvorsteher und die beim Bau thätig gewesenen Handwerker bewirthet. Diese beehrte Seine Königliche Hoheit mit Seinem Besuche, ließ sich viele vorstellen und unterhielt Sich mit ihnen sehr huldvoll.“

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Zeitung „Mecklenburgisches Volksblatt für Stadt und Land“ vom 03.12.1863

Nach Angaben im Mecklenburg-Schwerinschen Staatskalender bleibt der Beesesche Krug bis mindestens 1869/70 bestehen. Danach wurde der Krugbetrieb, vermutlich wegen Todes des Hofbesitzers Hans Carl Beese im Mai 1869, eingestellt. Der landwirtschaftliche Betrieb wird von seinem Bruder Johann Hinrich Beese weitergeführt.
Möglicherweise wurde der Krug nicht neu konzessioniert, da auf Grundlage der neuen Gewerbeordnung, „um die Zahl der Branntweinschänken auf das Maaß des Bedürfnisses zu beschränken“, in Mecklenburg ab 1. Oktober 1869 „die Ortsobrigkeiten die Erlaubniß zum Ausschänken von Branntwein von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig zu machen“ hatten. Die „Ortsobrigkeit“ war in diesem Fall der gerade amtierende Schulze.

Regierungs-Blatt No. 77 für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin,
ausgegeben Schwerin, Dienstag, den 28. September 1869

In der zeitgenössischen Literatur gerät der Biestower Landkrug bald in Vergessenheit. Während Wilhelm Raabe in der im Jahr 1857 erschienenen „Mecklenburgischen Vaterlandskunde“ den Biestower Krug noch erwähnte, berichtet Gustav Quade in seiner im Jahr 1894 herausgegebenen Neuauflage des Werkes nur noch von einem in Biestow „als Seltenheit“ vorhandenen „zweistöckigen Bauernhaus mit Strohdach“. Offenbar war die Kenntnis um die einstige Funktion als Kruggebäude bei Quades Korrespondenten (evtl. dem neu zugezogenen Pastor Niemann) bereits verloren gegangen.

Gustav Quade "Mecklenburgische Vaterlandskunde" 1894
Auszug aus Gustav Quades „Mecklenburgische Vaterlandskunde“ von 1894

Im Jahr 1903 werden die gesamten Hof- und Ackerflächen der Erbpachthufe Nr. IV von der letzten Gehöftserbin, der kinderlosen Witwe Sophia Maria Dorothea Beese, an den Gutspächter Aemil Ritter auf Damerow verkauft.
Ritter hatte im Jahr 1880, zusammen mit einem Finanzier und dem Biestower Erb- und Pfarrpächter Beutin, das „Rostocker Abfuhrinstitut“ gegründet. Der Geschäftszweck des Unternehmens bestand in der Entsorgung der Rostocker Fäkalien und deren Aufbereitung zu hochwertigem Dünger. Nun benötigte er zusätzliche Ackerflächen zur nutzbringenden Verwertung der enormen Düngermengen.

Hufe IV um 1900
Ausdehnung der Beeseschen Erbpachthufe Nr. IV um 1900. Rechts unten die alte Hofstelle und die Teilfläche der späteren Büdnerei XVI, links der später neu errichtete „Kringelhof“.
Büdnerei_XVI
Der mit einer Feldsteinmauer eingefasste Vierseitenhof der Hufe IV um 1905. Abseits im Nordosten steht das gemauerte Backhaus von 1755, im Süden neben dem Ententeich querstehend ein Torhaus von 1805, rechts und links Scheune und Stall und in der Mitte der Landkrug von 1789. Außerhalb liegen im Osten der Biestower Friedhof, das Schul- und Küstergehöft und die Büdnerei II, im Süden der Kirchhof mit Kirche und im Westen die Hofstelle der Hufe III des Erbpächters und Schulzen Krempien. Im Norden grenzen die Ackerflächen an.
(Zwei Karten aus den Beständen des Landeshauptarchivs Schwerin mit Ergänzungen)

Das Torhaus am südlichen Hofeingang zierte die Inschrift: „Und wenn die Welt voll Teufel wär‘ und wollten uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, Gottes Reich muß uns doch bleiben. Hinrich Beese, den 5. Julius 1805.“
Aemil Ritter bemerkte dazu: „Man könnte vermuten, daß der Vers aus dem Lutherliede auf eine besondere Frömmigkeit des Hinrich Beese hindeute. Die Überlieferung will jedoch wissen, daß mit den Teufeln die Familie des Nachbarn gemeint ist.“

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Mitteilung von Aemil Ritter in der Zeitschrift „Das Land“ vom 15.10.1905

Heute jedenfalls leben die Nachbarn in zufriedener Eintracht zusammen.

Die Witwe Beese verstirbt im August 1905. Im gleichen Jahr lässt Ritter die Ackerflächen der Hufe IV parzellieren zwecks Einrichtung neuer Büdnereien und Häuslereien sowie zur Bereitstellung von Gemeindeland, u. a. zum Bau einer neuen Schule. Die Resthufe wird fortan von dem neu errichteten Kringelhof aus bewirtschaftet. Die alten Wirtschaftsgebäude und das Torhaus werden abgebaut und teilweise zur neuen Hofstelle versetzt.
Der alte Hof mit dem Kruggebäude und dem Backhaus wird als Büdnerei No. XVI weitergeführt. Das Dach des „zweistöckigen früheren Krughauses“ lässt Ritter mit einem von ihm selbst produzierten „feuersicher imprägnierten Gernentz-Strohdach“ neu eindecken. Dieses Dach wird einige Jahre später zum Anschauungsobjekt einer Sachverständigenkommission:

1909_Gernentz-Dach
Kommissionsbericht, abgedruck in der Zeitschrift „Die Heimat“ vom 10.10.1909. Bei dem „im Aufbau befindlichen ausgebauten Biestower Gehöfte“ handelte es sich vermutlich um den neuen „Kringelhof“. Die Scheune stammte noch von der alten Beeseschen Hofstelle.

In Mecklenburg waren seit Januar 1879 bei neu errichteten Wohnhäusern Reet- oder Strohdächer eigentlich verboten. Aufgrund des positiven Kommissionsberichtes wurde ab Oktober 1909 eine „weiche“ Dacheindeckung mit solchen feuerhemmend imprägnierten Strohplatten ausnahmsweise wieder erlaubt. Die feuerhemmende Wirkung war jedoch, wie sich später – leider – herausstellen sollte, nicht von langer Dauer.

Im Jahr 1907 war der Krug kurzzeitig von einem gewissen Karl Düwel angemietet und als Ausflugslokal neu eröffnet worden. In diesem Jahr existierten in Biestow erstmals drei Gasthäuser: neben Düwels alkoholfreiem Restaurant und einer im Jahr 1898 auf der Büdnerei 10 am Dorfteich eingerichteten „Schenkwirthschaft“ noch das im Jahr 1905 eröffnete, ebenfalls alkoholfreie Gesellschaftshaus von Wilhelm Hadler (später Ninebuck) am Biestower Damm 22.
Der Rostocker Anzeiger vom 30. Juni 1907 vermeldete: „Den geehrten Herrschaften von Rostock und Umgegend empfehle zu Ausflügen mein neu eröffnetes Restaurant ‚Bauernhaus‘ in Biestow. Großer Garten mit Veranda. Ausschank von alkoholfreien Getränken. Kaffeekochen gestattet. Karl Düwel“

Restaurant Düwel 1907
Inserat im Rostocker Anzeiger vom 30.06.1907.

Der Hinweis „Kaffeekochen gestattet“ bezog sich auf den verbreiteten Brauch, dass Gäste sich das mitgebrachte Kaffeepulver selbst aufbrühen durften. Bezahlt werden musste nur für die Benutzung der Kannen und Tassen und für das heiße Wasser.

1895 Baluschek Kaffeekochen
Hans Baluschek: „Hier können Familien Kaffee kochen“, 1895 (Quelle: Zeno.org)

Seit 1908 befindet sich die Büdnerei 16 mitsamt dem Kruggebäude im Besitz der Familie Niekrenz. Fritz Niekrenz aus Klingendorf erwirbt die Bauernstelle, um seinem Sohn Hermann Niekrenz sen., einem gelernten Gärtner, den Aufbau einer eigenen Gärtnerei zu ermöglichen. Hermann betätigt sich auch als Landschaftsgärtner. Viele der heute noch vorhandenen alten Bäume in den benachbarten Gärten, auf dem Friedhof oder im Hof der benachbarten Neuen Schule wurden von ihm angepflanzt.

1908_Notarvertrag
Notarvertrag vom 29. April 1908 zwischen Aemil Ritter und Fritz Niekrenz. Die Übergabe fand im Oktober statt. Bis dahin mussten alle Mieter die Büdnerei verlassen haben.

Da sich die Qualität des in der Biestower Gärtnerei produzierten Gemüses schnell herumspricht, kann Hermann bald auch viele Prvathaushalte mit seinen Erzeugnissen beliefern. Bei dieser Gelegenheit lernt er die bei einem Rostocker Arzt als Köchin beschäftigte Wally Salow kennen und verliebt sich in sie. Die erst 20-jährige Wally erwidert die Gefühle, möchte aber auch in Zukunft in ihrem erlernten Beruf tätig sein.
Und so beschließt das junge Paar, den traditionsreichen Krug zu neuem Leben zu erwecken: Hermann soll sich weiter um die florierende Gärtnerei kümmern, während Wally in der Gaststätte das Sagen hat. Auf einen entsprechenden Antrag hin wird mit amtlichem Schreiben vom 13. April 1912 dem „Herrn Niekrenz jun.“ die „Erlaubnis zum Betrieb der vollen Gastwirtschaft mit Ausschank von Spirituosen auf der Büdnerei Nr. 16 zu Biestow erteilt“.

Konzession 1912
Konzession, ausgestellt durch das Großherzogliche Amt Toitenwinkel.

Im November 1912 findet die Trauung von Wally und Hermann statt und im Frühling 1913 ist im Rostocker Anzeiger zu lesen: „Biestow. Restaurant zum alten Bauernhaus. Empfehle meinen schattigen Garten für Ausflügler zur gefälligen Benutzung. Kaffee und Kuchen. Niekrenz.“

1913 Inserat Niekrenz
Inserat im Rostocker Anzeiger vom 04. Mai 1913
Postkarte 1913
Der alte Landkrug unter neuer Regie. Interessant: neben der Verandatür wurde ein moderner Warenverkaufsautomat aufgestellt, vermutlich für Schokolade der Marke Stollwerck.

Für das Jahr 1913 notierte sich Ludwig Krause, Zweiter Stadtarchivar Rostocks: „Niekrenz betreibt auch eine Gärtnerei, deren Produkte er nach Rostock absetzt. Er hat gute Sachen und ist nicht teuer, daher hat er für Gartenfrüchte, Gemüse, Blumen etc. in der Stadt reichlich Kunden. Er hat ja übrigens nicht bloß alkoholfreie Getränke, sondern auch Bier, Schnaps etc.“

Familie Niekrenz
Um 1924: Familie Niekrenz im Bier- und Kaffeegarten vor der Veranda des alten Landkruges. Im Vordergrund sitzt der vielen älteren Rostockern in guter Erinnerung gebliebene spätere Gastwirt Hermann Niekrenz jun. neben seiner Schwester Anni im Gras.

Am 24. April 1928 gerät das alte strohgedeckte Fachwerkgebäude bei Dachdeckerarbeiten  in Brand, ausgelöst vermutlich durch Funkenflug von einer frei hängenden Stromleitung.

Der Rostocker Anzeiger berichtete: „Am Dienstag mittag brannte in Biestow die bekannte Gastwirtschaft ‚Zum alten Bauernhaus‘ total nieder. Vom Amte Rostock wurde die Satower Motorspritze eingesetzt. Mit Hilfe dieser und der umliegenden, auch am Brandplatze erschienenen Wehren konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt und die umliegenden mit Stroh gedeckten Gebäude geschützt werden. Ein Teil der Lebensmittel, Fleischwaren und Vieh wurde gerettet.“

Brand 1928
Meldung im Rostocker Anzeiger vom 26.04.1928.

Der damals amtierende Pastor Voß beklagte den Verlust im Gemeindeblatt „Unsere Heimatkirche“ bitterlich: „Es ist dies Brandunglück sehr bedauerlich. Nicht nur, weil die fleißigen, braven Bewohner des Hauses in tiefe Bedrängnis geraten sind, sondern auch, weil das Haus gar nicht wieder zu ersetzen ist. Unsere alten niedersächsischen Bauernhäuser stellen einen ganz besonderen Typ in der Baukunst dar, der unserer Landschaft ihren eigentümlichen Charakter gibt und ihr Schönheit verleiht. Allmählich verschwindet leider eins nach dem anderen und wird durch nichtssagende charakterlose Häuser ersetzt, die meistens gar nicht in ihre Umgebung hineinpassen und das Landschaftsbild stören.
Das abgebrannte Bauernhaus gehörte noch zu der alten Art von Altbiestow, hatte aber doch seine Besonderheit. Als zweistöckiger Bau stand es im ganzen Lande einzig da. Und wo man vom ‚niedersächsischen Bauernhaus‘ las oder einen Vortrag hörte oder Lichtbilder sah, da wurde auch des zweistöckigen ‚alten Bauernhauses‘ in Biestow Erwähnung getan.
Fein paßte es in die Umgebung unserer Kirche hinein mit seinem Fachwerkbau aus zähen Eichenständern, seinem hohen Strohdachgiebel und dem weiten Hof und Gartenraum, in dem es lag. Manches Mal hat es auch unsere Gemeinde beherbergt, z. B. als wir hier den Propsteitag hatten und noch im vorigen Jahr, als wir das Missionsfest unter den Bäumen seines Gartens feierten, und die Räume des Hauses uns unerschöpflichen Vorrat an Kaffee und Kuchen zukommen ließen. Wer zur Kirche kam, hatte seine Freude daran, denn das Haus gehörte einfach in die Umgebung der Kirche hinein. Jetzt wo es nicht mehr ist, werden wir es sehr vermissen. Wieder ist etwas vom guten Alten unwiederbringlich dahin.“

1928 Brandruine
Der alte Landkrug von 1789 – Brandruine im Mai 1928

Zur Brandursache berichtete der Pastor: „Morgens um ½11 Uhr bei strahlendem Sonnenschein ging draußen am Hause das Feuer aus bisher ungeklärter Veranlassung auf. Vom Decken der Vorderseite des Hauses lag altes Dachstroh am Boden. Dort ist vermutlich das Feuer entstanden. Es ergriff dann altes Stroh, das in einem Baum vor dem Haus hängen geblieben war, und sprang von dort auf das Dach über.“ Offensichtlich hatte das „alte Dachstroh“ von Ritters „feuersicher imprägnierten Gernentz- Strohdach“ seine brandhemmende Wirkung bereits vollständig verloren.

Nach dem Rückbau der Brandruine bis auf die Grundmauern wird schon am 29. Mai an gleicher Stelle mit dem Wiederaufbau begonnen. Das gerettete Vieh wurde vorübergehend im gegenüberliegenden Küsterstall untergebracht. Landwirtschaft und Gaststätte liefen parallel.

Bauernhaus 1937
Das neuerbaute Bauernhaus in den 1930er-Jahren (Sammlung Werner, Rostock).

Im Jahr 1984 wird die Gaststätte aus Altersgründen vorübergehend ge­schlos­sen und im Juni 1997 nach umfangreichen Renovierungsarbeiten von der jetzigen Wirtin wiedereröffnet. Seit 1994 gehört das „Bauernhaus“ zum denkmalgeschützten Ensemble des alten Dorfkerns von Biestow.

(Die Chronik wird laufend ergänzt und erweitert. Wenn Sie bei sich noch interessante Texte oder Fotos finden, können Sie sich gerne an den Verein „Leben in Biestow e.V.“ oder direkt an die Wirtin des „Bauernhauses“ wenden.)