Herzlich Willkommen

logo_swWährend des Dreißigjährigen Krieges, am 22. Juni 1631, war das Dorf Biestow durch die in Rostock liegenden kaiserlichen Truppen fast völlig zerstört worden. Im darauffolgenden Jahr wurde das alte, ursprüngliche Bauernhaus als Fachwerkhaus neu errichtet und diente als Bauernhof. Lange Zeit wurde die Bauernstelle von einer Familie Beese bewirtschaftet.

Hofstelle 1751
Der Beesesche Bauernhof im Jahre 1751 mit Wohnhaus in der Mitte und vier Wirtschaftsgebäuden drum herum. Im Süden steht die Dorfkirche, im Osten führt die alte „Commercialstraße“ von Rostock nach Warin am Hof vorbei.
(Ausschnitt aus einer historischen Flurkarte der Kirchgemeinde Biestow)

Spätestens ab dem Jahr 1762 ist auch die gastronomische Nutzung der Bauernstelle urkundlich belegt. In diesem Jahr muss sich der Schulze und Krüger Hans Beese wegen „Veranstaltung von Glücksspiel, Musik und Tanzen sowie Saufen in seinem Haus bzw. Krug an zwei Sonntagen“ vor dem herzoglichen Konsistorium zu Rostock verantworten.

Hofstelle_1778
Die Hofstelle des Schulzen und Krügers Hans Beese im Jahr 1778. Rechts oben ein neu errichtetes Backhaus, in der Mitte das alte Wohn- und Kruggebäude. Der Türbalken am Backhaus trug die Inschrift: „Durch Gottes Zorn brannt ein Backhaus nieder, durch Gottes Gnadenhand steht dieses wieder – Hinrich Beese – 1755“.
(Historische Katasterkarte aus den Beständen des Landeshauptarchivs Schwerin)

Im Jahr 1789 lässt sein Sohn Hinrich Beese das alte Wohnhaus durch einen neuen zweistöckigen Landkrug als strohgedeckten Fachwerkbau mit angebautem Wirtschaftsteil ersetzen. Im Erdgeschoss befindet sich die Gaststube mit vorgesetzter Veranda und im Obergeschoss ein geräumiger Saal.

Landkrug 1789
Der im Jahr 1789 errichtete zweistöckige Beesesche Landkrug.
Grundrisse
Grundrisse (aus dem Nachlass des Bauernhausforschers Dr. Karl Baumgarten)

Bereits zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts hat sich Biestow als Ausflugsziel für die benachbarte städtische Bevölkerung etabliert. Gustav Hempel schreibt in seinem im Jahr 1843 erschienenen „Handbuch des Meklenburger Landes“: „Biestow, incamerirtes Dorf, zum Rostocker Distrikt gehörend, ist freundlich gebauet und hat eine Pfarrkiche, Schule, 8 Bauern, 3 Büdner (zwei davon gehören der Kirche), Krug und 197 Ew. – Von den Rostockern werden oft ländliche Excursionen nach Biestow gemacht.“

1843_Hempel
Passage aus Hempels „Handbuch des Meklenburger Landes“, 1843

Sicherlich war zu dieser Zeit bereits das Biestower Gasthaus ein beliebter Abschlusspunkt der „ländlichen Excursionen“ und ein geeigneter Ort für Feste und Feiern aller Art. Berichtet wird auch von Rostocker Studenten, die ihre feuchtfröhlichen Auszüge aus der Stadt zuweilen  in Biestow beendeten. Sogar der Großherzog persönlich soll anlässlich eines Biestower Pferdemarktes („groten Piermarkt“) ein Tänzchen auf den Dielenboden des „oll‘ Buerhuus“ gelegt haben:

Grossherzog_Pferdemarkt
Ein Zettel aus den berühmten Zettelkästen des Heimatforschers Richard Wossidlo

Nach Angaben im Mecklenburg-Schwerinschen Staatskalender bleibt der Beesesche Krug bis mindestens 1870 bestehen. Danach wurde der Krugbetrieb, vermutlich wegen Todes des Hofbesitzers Hans Carl Beese, eingestellt. Der landwirtschaftliche Betrieb wird von seinem Bruder Johann Hinrich Beese weitergeführt. Das gesamte Erbpachtgehöft der Hufe IV wird im Jahr 1903 von dessen kinderlosen Witwe Sophia Maria Dorothea Beese an den Gutspächter Aemil Ritter auf Damerow verkauft.

Hufe IV um 1900
Ausdehnung der Beeseschen Erbpachthufe Nr. IV um 1900. Rechts unten die alte Hofstelle und die Teilfläche der späteren Büdnerei XVI, links der neue „Kringelhof“.
Büdnerei_XVI
Der mit einer Feldsteinmauer eingefasste Vierseitenhof der Hufe IV um 1905.
Abseits im Nordosten steht das gemauerte Backhaus von 1755, im Süden neben dem Ententeich querstehend ein Torhaus von 1805, rechts und links Scheune und Stall und in der Mitte der Landkrug von 1789. Außerhalb liegen im Osten der Biestower Friedhof, das Schul- und Küstergehöft und die Büdnerei II, im Süden der Kirchhof mit Kirche und im Westen die Hofstelle der Hufe III des Erbpächters und Schulzen Krempien. Die Ackerflächen liegen im Norden beim „Roth Soll“.
(Historische Katasterkarten aus den Beständen des Landeshauptarchivs Schwerin)

Das Torhaus am südlichen Hofeingang zierte die Inschrift: „Und wenn die Welt voll Teufel wär‘ und wollten uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, Gottes Reich muß uns doch bleiben. Hinrich Beese, den 5. Julius 1805.“
Aemil Ritter bemerkte dazu: „Man könnte vermuten, daß der Vers aus dem Lutherliede auf eine besondere Frömmigkeit des Hinrich Beese hindeute. Die Überlieferung will jedoch wissen, daß mit den Teufeln die Familie des Nachbarn gemeint ist.“

1905_Das_Land
Mitteilung von Aemil Ritter in der Zeitschrift „Das Land“ vom 15.10.1905

Heute jedenfalls leben die Nachbarn in zufriedener Eintracht zusammen.

Die Witwe Beese verstirbt im August 1905. Im gleichen Jahr lässt Ritter die Ackerflächen der Hufe IV parzellieren zwecks Einrichtung neuer Büdnereien und Häuslereien sowie zur Bereitstellung von Gemeindeland, u. a. zum Bau einer neuen Schule. Die Resthufe wird fortan von dem neu errichteten Kringelhof aus bewirtschaftet. Die alten Wirtschaftsgebäude und das Torhaus werden abgebaut und teilweise zur neuen Hofstelle versetzt. Der alte Hof mit dem Kruggebäude und dem Backhaus wird als Büdnerei No. XVI weitergeführt. Das Dach des Krughauses lässt Ritter mit einem von ihm selbst produzierten „feuersicher imprägnierten Gernentz-Strohdach“ neu eindecken. Dieses Dach wird einige Jahre später zum Anschauungsobjekt einer Sachverständigenkommission:

1909_Gernentz-Dach
Kommissionsbericht, abgedruck in der Zeitschrift „Die Heimat“ vom 10.10.1909.

In Mecklenburg waren seit Januar 1879 bei neu errichteten Wohnhäusern Reet- oder Strohdächer eigentlich verboten. Aufgrund des positiven Kommissionsberichtes wurde ab Oktober 1909 eine „weiche“ Dacheindeckung mit solchen feuerhemmend imprägnierten Strohplatten ausnahmsweise wieder erlaubt. Die feuerhemmende Wirkung war jedoch, wie sich später – leider – herausstellen sollte, nicht von langer Dauer.

Im Jahr 1907 wird der Krug von einem gewissen Karl Düwel angemietet und als Restaurant neu eröffnet. Der Rostocker Anzeiger vom 30.06.1907 vermeldete: „Den geehrten Herrschaften von Rostock und Umgegend empfehle zu Ausflügen mein neu eröffnetes Restaurant ‚Bauernhaus‘ in Biestow. Großer Garten mit Veranda. Ausschank von alkoholfreien Getränken. Kaffeekochen gestattet. Karl Düwel“

Restaurant Düwel 1907
Inserat im Rostocker Anzeiger vom 30. Juni 1907.

Der Hinweis „Kaffeekochen gestattet“ bezog sich auf den verbreiteten Brauch, dass Gäste sich das mitgebrachte Kaffeepulver selbst aufbrühen durften. Bezahlt werden musste nur für die Benutzung der Kannen und Tassen und für das heiße Wasser.

1895 Baluschek Kaffeekochen
Hans Baluschek: „Hier können Familien Kaffee kochen“, 1895 (Quelle: Zeno.org)

Seit 1908 befindet sich die Büdnerei mitsamt dem Kruggebäude im Besitz der Familie Niekrenz. Fritz Niekrenz aus Klingendorf erwirbt die Bauernstelle, um seinem Sohn Hermann Niekrenz sen., einem gelernten Gärtner, den Aufbau einer eigenen Gärtnerei zu ermöglichen. Hermann betätigt sich auch als Landschaftsgärtner. Viele der heute noch vorhandenen alten Bäume in den benachbarten Gärten, auf dem Friedhof oder im Hof der benachbarten Neuen Schule wurden von ihm angepflanzt.

1908_Notarvertrag
Notarvertrag vom 29. April 1908 zwischen Aemil Ritter und Fritz Niekrenz.

Vier Jahre später wird auch die Gaststätte wiedereröffnet, zunächst nur als Nebenerwerb. Mit amtlichem Schreiben vom 13. April 1912 wird dem „Herrn Niekrenz jun.“ die „Erlaubnis zum Betrieb der vollen Gastwirtschaft mit Ausschank von Spirituosen auf der Büdnerei Nr. 16 zu Biestow“ erteilt.

Konzession 1912
Konzession, ausgestellt durch das Großherzogliche Amt Toitenwinkel.

Im Rostocker Anzeiger vom 04.05.1913 war zu lesen: „Biestow. Restaurant zum alten Bauernhaus. Empfehle meinen schattigen Garten für Ausflügler zur gefälligen Benutzung. Kaffee und Kuchen. Niekrenz.“

1913 Inserat Niekrenz
Inserat im Rostocker Anzeiger vom 04. Mai 1913

Für das Jahr 1913 notierte Ludwig Krause, Zweiter Stadtarchivar Rostocks: „Niekrenz betreibt auch eine Gärtnerei, deren Produkte er nach Rostock absetzt. Er hat gute Sachen und ist nicht teuer, daher hat er für Gartenfrüchte, Gemüse, Blumen etc. in der Stadt reichlich Kunden. Er hat ja übrigens nicht bloß alkoholfreie Getränke, sondern auch Bier, Schnaps etc.“

Familie Niekrenz
Um 1924: Familie Niekrenz im Bier- und Kaffeegarten vor der Veranda.
Im Vordergrund sitzt der vielen älteren Rostockern in guter Erinnerung gebliebene spätere Gastwirt Hermann Niekrenz jun. neben seiner Schwester Anni im Gras.

Am 24. April 1928 gerät das alte rohrgedeckte Fachwerkgebäude bei Dachdeckerarbeiten  in Brand, ausgelöst durch Funkenflug von einer frei hängenden Stromleitung.

Der Rostocker Anzeiger vom 26.04.1928 schrieb: „Am Dienstag mittag brannte in Biestow die bekannte Gastwirtschaft ‚Zum alten Bauernhaus‘ total nieder. Vom Amte Rostock wurde die Satower Motorspritze eingesetzt. Mit Hilfe dieser und der umliegenden, auch am Brandplatze erschienenen Wehren konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt und die umliegenden mit Stroh gedeckten Gebäude geschützt werden. Ein Teil der Lebensmittel, Fleischwaren und Vieh wurde gerettet.“

Brand 1928
Meldung im Rostocker Anzeiger vom 26. April 1928.

Der damals amtierende Pastor Voß beklagte den Verlust im Gemeindeblatt „Unsere Heimatkirche“ bitterlich: „Es ist dies Brandunglück sehr bedauerlich. Nicht nur, weil die fleißigen, braven Bewohner des Hauses in tiefe Bedrängnis geraten sind, sondern auch, weil das Haus gar nicht wieder zu ersetzen ist. Unsere alten niedersächsischen Bauernhäuser stellen einen ganz besonderen Typ in der Baukunst dar, der unserer Landschaft ihren eigentümlichen Charakter gibt und ihr Schönheit verleiht. Allmählich verschwindet leider eins nach dem anderen und wird durch nichtssagende charakterlose Häuser ersetzt, die meistens gar nicht in ihre Umgebung hineinpassen und das Landschaftsbild stören.
Das abgebrannte Bauernhaus gehörte noch zu der alten Art von Altbiestow, hatte aber doch seine Besonderheit. Als zweistöckiger Bau stand es im ganzen Lande einzig da. Und wo man vom „niedersächsischen Bauernhaus“ las oder einen Vortrag hörte oder Lichtbilder sah, da wurde auch des zweistöckigen „alten Bauernhauses“ in Biestow Erwähnung getan.
Fein paßte es in die Umgebung unserer Kirche hinein mit seinem Fachwerkbau aus zähen Eichenständern, seinem hohen Strohdachgiebel und dem weiten Hof und Gartenraum, in dem es lag. – Wer zur Kirche kam, hatte seine Freude daran, denn das Haus gehörte einfach in die Umgebung der Kirche hinein. Jetzt wo es nicht mehr ist, werden wir es sehr vermissen. Wieder ist etwas vom guten Alten unwiederbringlich dahin.“

1928 Brandruine
Brandruine im Mai 1928

Zur Brandursache berichtete der Pastor: „Morgens um ½11 Uhr bei strahlendem Sonnenschein ging draußen am Hause das Feuer aus bisher ungeklärter Veranlassung auf. Vom Decken der Vorderseite des Hauses lag altes Dachstroh am Boden. Dort ist vermutlich das Feuer entstanden. Es ergriff dann altes Stroh, das in einem Baum vor dem Haus hängen geblieben war, und sprang von dort auf das Dach über.“ Offensichtlich hatte das „alte Dachstroh“ von Ritters „feuersicher imprägnierten Gernentz- Strohdach“ seine brandhemmende Wirkung bereits vollständig verloren.

Nachdem die Brandruine bis auf die Grundmauern abgetragen war, wurde schon am 29.05.1928 an gleicher Stelle mit dem Wiederaufbau begonnen. Das gerettete Vieh wurde vorübergehend im gegenüberliegenden Küsterstall untergebracht. Landwirtschaft und Gaststätte liefen parallel.

Bauernhaus 1937
Das neuerbaute Bauernhaus in den 1930ger Jahren (Sammlung Werner, Rostock).

Im Jahr 1984 wurde die Gaststätte aus Altersgründen vorübergehend geschlossen und im Juni 1997 nach umfangreichen Renovierungsarbeiten von der jetzigen Wirtin wiedereröffnet. Seit 1994 gehört das „Bauernhaus“ zum denkmalgeschützten Ensemble des alten Dorfkerns von Biestow.

Heute ist das „Bauernhaus“ wie folgt geöffnet:

Montag Ruhetag
Dienstag bis Sonnabend ab 14.00 Uhr Küchenschluss 22.00 Uhr
Sonn- und Feiertage ab 10.00 Uhr Küchenschluss 19.00 Uhr

Unser Team wünscht Ihnen im traditionsreichen „Bauernhaus“ einen angenehmen Aufenthalt.
Wenn Sie Fragen, Anregungen, Wünsche haben, zögern Sie nicht, unsere Mitarbeiter anzusprechen.